Bücher, die sich mit der Web Tools Platform beschäftigen, gibt es mittlerweile einige. Nachdem in einer der letzten Ausgaben des Eclipse Magazins das eher durchwachsene, englischsprachige Buch „Eclipse Web Tools Platform – Developing Java Web Applications“ besprochen wurde, soll nun im Rahmen dieser Rezension der aktuelle, gleichnamige deutsche Titel von Kai Brüssau aus dem Hause entwickler.press betrachtet werden. Das Buch ist erstaunlich dünn und das ist gut so. Obwohl im Prinzip alle wichtigen Themen rund um die Web Tools Platform (WTP) behandelt werden, hat es der Autor geschafft, den ganzen Stoff in rund 150 Seiten unterzubringen. Das Buch ist knapp, aber präzise geschrieben und präsentiert sich durchwegs im Stil eines Tutorials.
Der Autor bespricht gleich nach dem Vorwort die Installation der WTP und der Vorraussetzungen, damit die Beispiele aus den einzelnen Kapiteln, die aufeinander aufbauen, nachvollzogen werden können. Danach geht es weiter mit einer Rundtour durch die WTP und einer soliden Beschreibung der einzelnen dahinterstehenden Konzepte und Philosophien (Konfiguration von Servern, Beschreibung verschiedener Projekttypen innerhalb WTP etc.).
Im Anschluss folgt zunächst ein kurzer Überblick über Java EE, gefolgt von einem recht interessanten Kapitel zur Entwicklung von Webanwendungen mithilfe der WTP. In diesem Rahmen werden alle wichtigen Themen aus diesem Bereich erklärt, dabei wird der Bogen gespannt von reinen Java Servlets über JSP bis hin zu Skriptlets. Gut getan hätte an dieser Stelle sicherlich noch die eine oder andere Seite speziell zu JavaServer Faces, denn das in WTP enthaltene JSF Tooling – maßgeblich von Oracle entwickelt - hat es mittlerweile zu einer erstaunlichen Reife gebracht. Im Anschluss an die Webanwendungen widmet sich das Buch den Enterprise Java Beans und geht insbesondere darauf ein, wie man Session Beans und Message Driven Beans mit der WTP angeht. Abgerundet wird das Kapitel durch weiterführende Beispiele, die zeigen, wie man entsprechende Clients für diese EJB-Komponenten entwickelt.
Dass es sich bei dem vorliegenden Buch um eines der aktuelleren handelt, wird spätestens in Kapitel 5 klar. Hier geht es um die Java EE Persistence API (JPA) und auch hier zeigt sich, dass kürzer manchmal einfach besser ist. Der Autor schafft es, in circa 25 Seiten alles Wichtige zur JPA zu erklären. Ein richtiger Crashkurs, der JPA gut beleuchtet und dabei immer den Fokus zur Web Tools Platform behält.
Das letzte Kapitel des Buches, hier geht es um Web Services, ist dann eher durchwachsen. Auch hier werden wieder die Grundlagen von Web Services kurz und ausreichend erläutert, im weiteren Verlauf hinkt das Kapitel allerdings. Zum Beispiel wird nicht klar, mit welcher Axis-Version der Autor im Buch arbeitet, verweist er in einer Fußnote noch auf die Webseite von Apache Axis (Seite 126), arbeitet er in den folgenden Beispielen schon mit Annotationen. Die gibt es allerdings erst in Apache Axis2. Das Kapitel ist stark Code-First-lastig, außerdem fehlen Informationen rund um Deployment und der in WTP enthaltenen Unterstützung für die WS-I Testing Tools. Bei letzteren handelt es sich um ein wichtiges Werkzeug, mit dem Web Services auf eventuelle Interoperabilitätsprobleme hin untersucht werden können. Insgesamt liegt hier ein gutes und sinnvolles Buch vor. Der Autor schafft es, in jedem Kapitel zunächst kurz und prägnant auf die Grundlagen des jeweiligen Themas einzugehen, um dann dessen praktische Umsetzung mit der Web Tools Platform zu zeigen. Auch wenn dem Buch zum Ende hin die Luft ausgeht, kann es trotzdem uneingeschränkt zur Lektüre empfohlen werden. Dem Autor gebührt in jedem Falle der volle Respekt allein dafür, dass er es geschafft hat, auf 150 Seiten eine so umfangreiche und facettenreiche Software wie die Eclipse Web Tools Platform so gut zu beschreiben.





