Freitag, 9. Januar 2009


Interview

Freitag, 10. Oktober 2008 | Interview

"In der Open-Source-Welt ist Co-opetition ein Fakt"

(Link zum Artikel: http://www.phpconference.com/business-technology//045483)

Open Source wird Enterprise-reif, und das nicht nur mit kleinen Anwendungen im Hintergrund, sondern in der ersten Reihe als Portal-Software oder in geschäftskritischen Bereichen wie Business Process Management. Business Technology sprach mit Arnaud Blandin, Business Development Director bei Intalio, über Vorteile von Enterprise Open Source und neue Geschäftsmodelle.

Warum ist es ein kluger Zug, sich für Open Source BPM zu entscheiden?

Arnaud Blandin: Kurz gesagt, weil Open Source zunächst einmal den Einstig und die Möglichkeit vereinfacht Kunden genau die Werkzeuge zu geben, die sie brauchen, und ein erfolgreiches BPM-Projekt zu realisieren. Die Kunden können das Produkt einfach downloaden und sofort mit der Arbeit beginnen. Open Source hat es Intalio erlaubt, das herkömmliche Vertriebsmodell auf den Kopf zu stellen. Statt mehrere Sales-Teams zu beschäftigen, verlassen wir uns darauf, dass unsere Kunden den Verkauf für uns übernehmen. Haben sie das Produkt erst einmal heruntergeladen, ist in der Regel der nächste Schritt, dass sie zu einem Training kommen. Wenn die Kunden dann soweit sind, können sie auf die Enterprise Edition upgraden, um ihr Projekt in einer Enterprise-ready-Umgebung laufen zu lassen. Für jeden Schritt auf diesem Weg bieten wir die Werkzeuge, um die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln, entweder intern oder mit System-Integration-Partnern, um sicherzustellen, dass das Projekt Erfolg hat. Unsere Wettbewerber verlassen sich sehr oft allein auf ihre In-House-Berater, um ihren Umsatz zu machen. Das hat für den Kunden zur Folge, dass er sehr eng an einen speziellen Anbieter gebunden ist. Open Source dagegen lässt die Kontrolle über das Projekt in der Hand der Kunden, zum einen wegen des Modells und zum anderen wegen der Industriestandards, die wir implementieren.

Arnaud Blandin, Intalio
Arnaud Blandin, Intalio

Glauben Sie, dass die Bedeutung des Open-Source-Modells in den nächsten Jahren zunehmen wird?

Blandin: Im Moment befinden wir uns in einer sehr aktiven Konsolidierungsphase in der IT-Industrie (Ilog wurde von IBM gekauft, BO von SAP, BEA von Oracle, i2 von JDA, IONA von progress ...) und die Kunden stehen vor dem Problem, einen Hersteller-Lock-in zu vermeiden, wenn sie Paketlösungen von SAP, Oracle, IBM oder Microsoft kaufen. Andere Softwarehersteller, die mit diesen Giganten konkurrieren wollen, müssen sich daher neue Distributionswege und bessere Innovationszyklen aneignen. Deshalb sollte es uns nicht überraschen, wenn in Zukunft immer mehr Unternehmen das neue Commercial Open Source Model (COSMO) annehmen, das auf Support und Wartung basiert, statt auf traditioneller Softwarelizensierung.

Ist Open Source eine Alternative zu lizensierter Software oder eher eine Ergänzung?

Blandin: Von vielen Firmen wird Open Source nicht richtig verstanden. Open Source bedeutet einfach, dass der Quellcode eines Produkts unter einer Open-Source-Lizenz (wie von der OSI definiert) entwickelt wird und für jeden verfügbar ist. Open Source wird schon jetzt in traditionell lizensierter Software benutzt, was es zu einer Ergänzung macht.

Bis vor Kurzem war Open-Source-Software auch auf Technologien für sehr spezielle oder spezialisierte Anforderungen beschränkt. Aber jetzt haben wir Unternehmenssoftware mit einem hohen Reifegrad, die auf Open-Source-Code basiert, wie zum Beispiel Alfresco, Liferay oder Intalio. Diese Lösungen stehen im direkten Wettbewerb mit dem traditionellen Lizensierungsmodell und stellen eine echte Alternative dar.

Liegt die Zeit der harten Konkurrenz hinter uns? Stehen wir am Anfang einer Phase der Co-opetition?

Blandin: Ich würde sagen, da sind wir schon angekommen. Co-opetition, die Kombination aus Kooperation und Wettbewerb, existiert bereits. Zum Beispiel veranstalten IBM und SAP jedes Jahr das gemeinsame SAP/IBM Sales Kick-off Meeting, während sie zugleich in vielen Projekten im Wettbewerb sind. Der reine Wettbewerb wird immer ein wichtiger Aspekt bleiben, weil er der Treiber für Innovation, Kostenreduktion und Produktivität für den Kunden ist. Open Source wird daher den Wettbewerb nicht beenden, sondern ein neues Wettbewerbsmodell hervorbringen.

In der Open-Source-Welt ist Co-opetition einfach ein Fakt: zum Beispiel bei Teilprojekten. Einige sehen Intalio – mit Intalio BPMS – als Konkurrent zu jBPM von JBoss. Trotzdem haben wir mit Drools eine Open Source Rules Engine als Basis für die Integration einer Business Rules Engine (BRE) in unsere Business Process Platform genommen, die von JBoss unterstützt wird.

(ms)

Kommentare

Gravatar Peter Knippel 17.11.2008
um 09:35 Uhr
Ein außerordentlich qualifiziertes Interview. Was mir besonders gut gefällt: die Klarheit, mit der Standorte bezogen werden. #zitieren
Gravatar Felix Becker 19.11.2008
um 15:10 Uhr
Eine aktuelle Marktposition von Intalio wäre interessant um die Aussagekraft Bewertung zu können. #zitieren

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