Freitag, 9. Januar 2009


Interview

Mittwoch, 5. November 2008 | Interview

Passen ALM und agile Entwicklung zusammen? Teil 2

(Link zum Artikel: http://www.phpconference.com/business-technology//045881)

Software soll zugleich wertschöpfend, kostengünstig, schnell einsetzbar und qualitativ hochwertig sein, aber auch der Entwicklungsprozess soll sich nachvollziehen lassen. Das sind die Herausforderungen vor denen Application Lifecycle Management (ALM) und agile Entwicklung als Lösungsangebote stehen.

Business Technology hat einige ALM-Lösungsanbieter zu diesen Aspekten befragt und wird in den kommenden Wochen deren Antworten veröffentlichen.

Heute: Uwe Flagmeyer, Manager Presales von HP Software Deutschland

Ein Kundenbeispiel kann das grundsätzliche HP-Konzept illustrieren:

Ein internationales Handelsunternehmen hat mit HPs BTO-Software einen Prozess etabliert, um Geschäftsanforderungen der verschiedenen Landesgesellschaften zu kanalisieren, zu bewerten und in den IT-Anwendungen umzusetzen. Das Ziel ist es, das Ausrollen von Geschäftsinitiativen zu beschleunigen, indem die benötigten Applikations-Änderungen schneller, mit höherer Qualität und geringerem Risiko bereitgestellt werden. Zudem erhalten die Geschäftsverantwortlichen einen aktuellen Überblick über den Status ihrer Anforderungen und können somit ihre Geschäftsinitiativen besser planen. Das Unternehmen hat eine Reihe von Lösungen aus dem BTO-Portfolio von HP implementiert, die mittels übergreifender Workflow-Funktionen zu einem integrierten und teilweise automatisierten Prozess verknüpft werden.

Ein wesentlicher Grund für die Einführung der BTO-Software ist die internationale Expansion des Handelsunternehmens. Bedingt durch die länderspezifischen Marktstrategien und Gesetzgebungen steigt die Komplexität des Anforderungs-Managements ebenso wie die Umsetzung der Anforderungen in den Applikationen – relevant sind hier vor allem die Warenwirtschaft und die Lieferketten-Steuerung (Supply Chain Management). Mit den ausgewählten BTO-Software Komponenten von HP

  • erfasst das Handelsunternehmen diese Anforderungen hinsichtlich zu verändernder oder neuer IT-Services,
  • bewertet die Kosten, Rentabilität und Wiederverwendbarkeit und
  • plant, priorisiert und budgetiert nach der Genehmigung die entsprechenden IT-Projekte.

Im Anschluss werden die IT-Projekte im Hinblick auf Kosten, Ressourcen, Qualität und Zeitplanung überwacht und gesteuert. Ein integrierter Governance-Workflow unterstützt den kompletten Ablauf und gibt Auskunft über den Fortschritt der Aktivitäten.

Via Dashboards erhalten die beteiligten Entscheider Einblick, in welchem Stadium sich die Anforderung bzw. das jeweilige Projekt gerade befindet. Der komplette Ablauf vom Antrag über die Genehmigung und Entwicklung bis zur Fertigstellung und Einführung eines neuen IT-Service oder Release wird transparent. Neue IT-Services oder Anpassungen beispielsweise für Marketing-Aktionen, die nicht verschiebbar sind, können in jeder Phase der Entwicklung überwacht werden, und die Entscheider können ihre Ressourcen optimal darauf abstimmen. Während und nach Abschluss eines Projekts oder der Einführung eines neuen Release dient das HP Service Center als Plattform für die Steuerung des Incident, Problem und Change Management – in der Entwicklung und im operativen Betrieb.

Wichtige IT-Komponenten, die an der Erbingung eines IT-Service beteiligt sind, werden in der Informations- und Integrationsdrehscheibe, der HP UCMDB abgebildet. Diese Datenbank speichert zudem die Abhängigkeiten der Komponenten je IT-Service. Damit lassen sich die Auswirkung einer Veränderung einzelner IT-Komponenten auf die Geschäftsziele analysieren und das Risiko frühzeitig abschätzen. Dies ermöglicht dem Handelsunternehmen, das Risiko eines Ausfalls oder einer Beeinträchtigung kritischer IT-Anwendungen zu minimieren.

Wie sieht Ihr Modell eines zeitgemäßen Application Lifecycle Mangement aus?

Uwe Flagmeyer: Mit unserer Software für Business Technology Optimization (BTO) bieten wir eine integrierte Unterstützung für den kompletten Application Lifecycle – von der Geschäftsanforderung über die Qualitätssicherung, Einführung und Betrieb bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung und Abschaltung/Ablösung. Governance-Workflows sorgen dabei für eine Verknüpfung von strategischer und operativer IT-Steuerung. Grundlage der Abläufe ist die neue Version 3 der IT Infrastructure Library. Die integrierte Datenbasis für alle Prozess-Schritte ist die Universal Configuration Management Database (UCMDB). Diese versammelt die Konfigurationsdaten der Infrastrukturkomponenten, der Applikationen und der Geschäftsprozesse und bildet deren Abhängigkeiten ab. Damit kann beispielsweise bereits in der Planungsphase einer Applikations-Einführung geprüft werden, wie sich diese auf die Geschäftsprozesse auswirken würde.

HPs BTO-Software verknüpft Anforderungsmanagement, Planung, Tests und Einführung mittels bidirektionalem Datenaustausch und Governance-Workflows. Unternehmen können somit den kompletten Ablauf von der Geschäftsanforderung bis zur Implementierung integriert steuern. Dabei lassen sich auch die tagtäglichen Änderungsanforderungen aus dem operativen Betrieb einbinden: Sofern sie die Applikationen betreffen, werden sie automatisch kanalisiert, bewertet und mit voller Qualitäts-, Kosten- und Zeitkontrolle durchgeführt. Dabei fungiert das Project & Portfolio Management (PPM) Center als zentrale Steuerungs- und Informationsdrehscheibe des kompletten Applikations-Lebenszyklus. Unternehmen erlangen eine bessere Kontrolle aller Applikations-Änderungen und stellen sicher, dass diese einen optimalen Beitrag zum Geschäftserfolg leisten. Zudem wird die Dauer von der Anforderung bis zur Einführung durch die engere Verzahnung der strategischen und operativen IT-Funktionen verkürzt.

Die Steuerung erfolgt dabei keinesfalls nur top down. Das zeigt beispielhaft die „Bottom-up“-Integration des Service Desk mit dem Project & Portfolio Management (PPM Center). Häufig haben Anfragen von Anwendern an den Service Desk Applikations-Änderungen zur Folge, etwa wenn ein Vertriebsmitarbeiter einen neuen Report im CRM-System braucht. Ab einer gewissen Größe und Priorität müssen solche Änderungen mit strategischen Vorgaben abgeglichen, genehmigt, getestet und über ein Projektmanagement gesteuert werden. PPM Center 7.5 bietet zu diesem Zweck eine bidirektionale Integration mit Consolidated-Service-Desk-Anwendungen wie HP Service Management Center. Änderungs-Anforderungen, die beim Service Desk eingehen, können automatisch in PPM Center importiert und von dort aus mittels Governance-Workflows gesteuert und durch einen formalen Qualitätssicherungsprozess geführt werden. Durch parametrisierbare Filterfunktionen lässt sich dieser Import zum Beispiel von der Priorität eines Change abhängig machen. Optional wird der Projektstatus laufend an das Service Desk zurückgemeldet. Anwender können sich dort jederzeit über den Stand ihrer Anforderung informieren. Ist das Projekt abgeschlossen, wird das Ticket im Service Desk von PPM Center automatisch geschlossen. PPM 7.5 erlaubt es Unternehmen damit, systematisch und automatisiert den Wertbeitrag und die Qualität aller größeren Applikations-Änderungen sicherzustellen und das Fehlerrisiko zu minimieren.

Wie passen Agile-Methoden (Scrum, XP, Lean etc.) zu diesem Modell?

Flagmeyer: Wir betrachten im Application Lifecycle die Planung, Einführung und den Betrieb. Die Entwicklung zählen wir in unserem Modell zur Einführungsphase (Design, Entwicklung, Qualitätssicherung). Der Fokus der Produkte liegt auf der Qualitätssicherung. Diese Qualitätsspezifischen Funktionen sind unabhängig vom Konzept des agilen Entwicklungsprozesses, ob Scrum oder XP (Extreme Programming). Die Entwicklungsphase im Application Lifecycle muss ständig und möglichst früh durch den Qualitätsprozess begleitet werden. Die aus den Teilprojekten entstehenden Iterationen und notwendigen Integrationen müssen ständig getestet werden. Vor allem sollte eine möglichst komplette und integrierte Verwaltung des Qualitätsprozesses implementiert sein – von den Anforderungen (Requirements), über das Testfallmanagement, Testdurchführung, Defects Management bis zum Release Management. Für komplett integriertes Management und Testen über all diese Disziplinen ist HP Quality Center bekannt und ist eines der wichtigsten Produkte für die Einführungsphase des Application Lifecycles. HP Quality Center wird u.a. auch im Hause HP für die Qualitätssicherung im agilen Softwareentwicklungsprozess eingesetzt.

Wie unterstützen Ihre Lösungen agile Entwicklungsprojekte? Legt sich der Kunde damit auf eine Methode fest? Lassen sich beispielsweise Testing-Tools oder Projektmanagement-Tools einbinden?

Flagmeyer: Wie bereits oben dargelegt, unterstützt die BTO-Software einen integrierten und teilweise automatisierten Prozess von der Geschäftsanforderung bis zum Betrieb. Die Testing Tools, wie Quality Center sind mit den Portfolio Management Tools integriert.

Die Kombination dieser Funktionen ist ein wichtiger Bestandteil, um die Qualität von Anwendungen zu steigern und die Ressourcen im Qualitätsprozess besser einzusetzen. Die Produkte für die Qualitätssicherung begleiten den Entwicklungsprozess von Beginn an. Die Produkte von HP haben aber einen klaren Fokus auf das Management des Qualitätsprozesses. Dieser reicht vom Requirements Management über die Erstellung und Durchführung von Testfällen bis zum Management des Releases. Diese Qualitätsspezifischen Funktionen sind unabhängig vom Konzept des agilen Entwicklungsprozesses, ob Scrum oder XP (Extreme Programming). Wichtig im Bereich „agile Entwicklung“ ist auch wiederum die Integration unterschiedlicher Funktionen wie Business Analysten, Entwickler, Projektmanager, Tester. Ein Qualitätsmanagement Tool ist hier z.B. für die übergreifende Kommunikation aber auch bei der einheitlichen Dokumentation hilfreich.

Wo sehen Sie für ALM die Vorteile von agilen Entwicklungsprozessen und wo die Grenzen?

Flagmeyer: Der Vorteil für ALM ist die enge Einbindung der Entwicklungsorganisation mit den Organisationen, die planen, die Qualitätssicherung betreiben und die den Betrieb machen. Die Anwendung wird als gesamtes betrachtet. Die Entwicklungsabteilung wird nicht als separates Silo betrachtet. Wir sehen den Vorteil auf der Toolseite darin, dass wir weniger Tools benutzen müssen, mehr Vertrauen in die Daten des zentralen ALM Repositories haben und Teams die Möglichkeit haben besser zusammenzuarbeiten.

Die Grenzen liegen sicherlich noch in der organisatorischen Umsetzung in einem kompletten Application Lifecycle. Es gibt immer noch wenige Organisationen, die abteilungsübergreifend einen kompletten Lifecycle von der Planung über die Entwicklung, Qualitätssicherung bis hin zum Betrieb abdecken.

Entwickeln Sie selbst agil? Wie und warum machen Sie das?

Flagmeyer: Innerhalb HP Software wird agile Entwicklung seit mehr als 3 Jahren betrieben. Methodisch gibt es keinen Standard. Die meisten Teams lehnen sich an SCRUM oder xP an und passen die Methode an.

Grund ist auf neue und veränderte Anforderungen besser reagieren zu können. Häufiges Feedback durch Demonstrationen und Retrospektiven von Stakeholdern ermöglicht uns, schon während des Projektes steuernd auf den Verlauf einzuwirken (und nicht erst nach Projektabschluss zu analysieren, was wir nächstes Mal besser machen). Die Qualität kann kontinuierlich überprüft und gemessen werden. Der Projektfortschritt ist insgesamt deutlich besser sichtbar.

(ms)

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