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26
Apr

Methoden | sminca – Agiles Wissen als Baukasten

Agiles Wissen über Karten vermitteln? Geht nicht? Geht doch! Viele Unternehmen oder Abteilungen denken, sie würden agil arbeiten. Doch ob man dabei immer die richtigen Regeln einhält oder den richtigen Ton trifft, steht auf einem anderen Blatt. Was wäre nun, gäbe es einen Karteikasten, der dabei hilft, Fragen rund um agiles Arbeiten zu beantworten?

 

 

PHP Magazin: Ihr habt ein neues Projekt, beziehungsweise überhaupt ein Produkt, auf den Markt gebracht und das heißt „sminca“. Was ist das?
Judith Andresen: „smincas“ sind Karteikästen. Wir verstehen die smincas als agilen Baukasten, der Fragen rund um agiles Arbeiten beantwortet. Die Karten sind klein, pragmatisch und bemalbar. Der sminca-Kasten fasst kompakt an einem Ort Wissen zu Themen, wie zum Beispiel agile Methodenbausteine, Kommunikation, Team oder Veränderung zusammen. Aktuell besteht er aus 180 Karten.

PM: Das ist ein Karteikasten mit agilem Inhalt? Klingt nach einer sehr neuen Idee.Judith Andresen: Eigentlich ist das eine total alte Idee. Ich habe in der Vergangenheit ehrenamtlich in der Jugendverbandsarbeit gewirkt. Damals hatten wir Spielekarteien; das waren nach Themen sortierte Kästen. Je nach Thema habe ich mir da die passende Karte rausgesucht. Das ist genau die Idee, die wir wieder aufgenommen haben. Man fragt sich, welches Thema möchte ich hier bewältigen oder was möchte ich spielerisch erarbeiten. Dann gucke ich im Kasten beim entsprechenden Thema und wähle ein Spiel aus. Genauso funktionieren die smincas. Wenn du zum Beispiel in einem Team das Gefühl hast, es läuft im Bereich Moderation etwas unrund, nimmst du dir den sminca-Kasten. Im Bereich Moderation findest du dann verschiedene Methodenbausteine, die dir helfen können oder dich inspirieren, welchen neuen Ansatz du versuchen könntest.

Je nach Thema habe ich mir da die passende Karte rausgesucht. Das ist genau die Idee, die wir wieder aufgenommen haben. Man fragt sich, welches Thema möchte ich hier bewältigen oder was möchte ich spielerisch erarbeiten. Dann gucke ich im Kasten beim entsprechenden Thema und wähle ein Spiel aus. Genauso funktionieren die smincas.

PM: Du bist also durch das Vorwissen über die Spielekarteien auch auf die Idee gekommen? Oder kam die Idee bei dir aus dem Team? Wie kam es letztlich zu der Idee, einen solchen Karteikasten zu entwickeln?

Judith Andresen: Wir wussten nicht, dass wir eine Spielekartei nachbauen müssen. Die Idee stammt aus unserem Arbeitsalltag. Wir haben intern bei uns angefangen, Wissen zusammenzufassen. Am Anfang war das auf Flipcharts, die sich automatisch aus Fotoprotokollen ergaben. Wir haben dann relativ schnell festgestellt, dass uns das nicht reicht. Wir brauchten die Möglichkeit, die visualisierten Inhalte zu kommentieren. Dadurch haben wir angefangen, Zettel zu malen. Links hatten wir den eigentlichen Inhalt, also den Kern, den wir vermitteln wollten und rechts haben wir Platz für Kommentare und weiterführende Links gelassen. Die Kommentare enthielten meist Informationen zu typischen Stolperfallen oder wichtige Zusatzinformationen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass eine Referenzierung innerhalb der Zettel hilfreich ist. Wir haben also angefangen, Informationen zu sammeln, wie zum Beispiel „Wenn du dieses Modell A vorstellst, schaue dir auch Modell B an“. So sind die ersten kompakten Karten entstanden. Wir haben die Karten immer wieder als Basis für unsere Arbeit genutzt und sie auch mit zu Kunden genommen. Unsere Kunden haben dann häufig gefragt, ob sie eine solche Karte für sich haben können. Dadurch ist uns aufgefallen: Das ist ein Produkt. Und schon stellten wir uns die Fragen: Wie heißt es? Und wie geht es nun eigentlich weiter?

PM: Und wie ging es dann weiter?

Judith Andresen: Zu dem Zeitpunkt, an dem wir festgestellt haben „Das ist ein Produkt“, waren es ungefähr siebzig Karten. Diese Karten waren bei uns einfach so entstanden. Eine oder einer von uns hat die Karte in der Vorbereitung für einen Kundentermin entworfen und entsprechend benutzt. Diese siebzig Karten hatten wir also schon als Basis für unser Produkt. Dadurch ist die Reihenfolge auch sehr – sagen wir mal – ungewöhnlich.

Wir verstehen die smincas als agilen Baukasten, der Fragen rund um agiles Arbeiten beantwortet. Die Karten sind klein, pragmatisch und bemalbar.

PM: Du hast vorhin gesagt, es sind jetzt 180 Karten. Wie seid ihr dann auf diese 180 gekommen?

Judith Andresen: Für ein richtiges Produkt waren uns siebzig Karten noch nicht genug. Wir wussten nicht, wie der Markt auf unsere Idee reagiert. Deshalb wollten wir uns in der Produktion nicht verlieren und ein allumfängliches Wissenswerk bauen. Es war uns wichtiger zunächst einmal ein Produkt auszuliefern. Genau genommen: Unsere Idee auf dem Markt auszuprobieren. Wir wollten auf jeden Fall im August 2015 veröffentlichen. Mit dieser Deadline haben wir dann ausgerechnet, wie viele Karten wir wohl zeichnen können: 150. Dafür haben wir Modelle und Vorgehensweisen priorisiert. So erhielten wir ein ausbalanciertes Starterset. Nach der ersten Auslieferung bekamen wir so viel Resonanz, dass wir dreißig weitere Karten geliefert haben. Diese Karten beschäftigen sich überwiegend mit agiler Führung.

PM: Was genau heißt erste und zweite Auslieferung?

Judith Andresen: Die ersten 150 Karten waren unser Minimum Viable Product. Wir wussten zwar, dass bei 150 Karten noch was fehlt, aber es ist eine einigermaßen runde Geschichte. Bei der Produktion haben wir uns dann die Frage gestellt: Wie viele Kästen brauchen wir draußen im Markt, um sinnvoll Feedback zu bekommen? Wir haben uns in der ersten Runde für 100 Kästen entschieden. Davon haben wir fünfzig Stück an Kunden verschenkt. Die anderen fünfzig gingen in den Verkauf und waren recht schnell weg. Daraufhin haben wir dann in einer ernsthaften Produktionsgröße nachproduziert.

PM: Ihr habt die Kästen produziert, um „auszuprobieren“ und Feedback zu bekommen. Wie war denn das Feedback auf die ersten Kästen?

Judith Andresen: Das erste Feedback war sehr sehr witzig. Wir haben ganz früh beschlossen, die Ausgaben nach Monatszahl und Jahr zu benennen. Der erste Kasten heißt also 08/15. Da kam ganz schnell die Resonanz „Das ist nicht 08/15“. Das war irgendwie ein ganz nettes Kompliment. Leute haben uns erzählt, wie sie die smincas benutzen. Wir haben Leute, die finden die smincas sehr inspirierend. Sie machen jetzt nach jedem Daily Stand-up einen „Moment von Inspiration“. In diesem lesen sie zusammen eine Karte und fragen sich, ob das was mit ihnen zu tun hat. Jemand anderes hat berichtet, dass sie die Kästen total auseinandergepflückt und ihre eigenen Themenblöcke gebildet hat. Sie hat die Karten für sich nach Einsatzgebieten, zum Beispiel „Im Team als Agile Coach“, „Für die Organisationsentwicklung“ oder „Für mich“ sortiert. Ich habe auch schon Kästen gesehen, die mit ganz vielen Post-its beklebt sind und weiter beschrieben wurden.

PM: Du hast eben von so einer „sminca-Leseminute“ gesprochen. Das klingt für mich sehr nach Entwicklungsteam. Die anderen Beispiele klangen für mich nach Scrum Master oder Agile Coach. Für wen sind denn die smincas sinnvoll oder wer benutzt sie? Was ist eure Wahrnehmung?

Judith Andresen: Wir spüren, dass die smincas vor allem bei denjenigen zum Einsatz kommen, die in irgendeiner Form in der agilen Transition stecken. Sei es, dass sie gerade eine Projektmethode schärfen oder sei es, dass sie einen Unternehmensteil oder sogar das gesamte Unternehmen agiler machen wollen. Für alle, die bewegen wollen.  Gleichzeitig haben wir auf genau diese Resonanz auch reagiert. Das Feedback auf den ersten Kasten war: mehr agiles Management. Das bedienen wir mit den dreißig neuen Karten.

PM: Bedeutet das auch, dass ihr mehr Karten entwickeln werdet?

Judith Andresen: Genau. Wir sammeln Feedback auf der Website. Wir sammeln diese Wünsche. Wenn wir spüren, dass sich da Themen sammeln, dann werden wir die smincas erweitern.
Vielen Dank für das Interview.

Stay tuned!

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